Bald, ganz bald!

Ich habe total vergessen, euch von meinem ersten Erfolg zu berichten. Wie konnte ich nur! Da das Auswahlverfahren schon so lange her ist, habe ich im Durcheinander der letzten Monate einfach versäumt, dass es nun schon ganz, ganz bald geschieht:

Meine erste literarische Veröffentlichung steht an!

Nach einigen semi-professionellen und rein journalistischen Zeitungsartikeln in Schule und Praktikum schafft es am 1. April, kein Scherz, endlich eines meiner literarischen Machwerke an die Öffentlichkeit. Es ist nur ein Gedicht und nur eine kleine Literaturzeitschrift, aber ich bin so aufgeregt, als wäre meine Trilogie in 50 Sprachen übersetzt worden.

Ganz im Sinne des HufflepuffPride Tages, den Für-Hogwarts-ist-man-nie-zu-alt-Pottermore heute ausgerufen hat, marschiere ich ab sofort erhobenen Hauptes durch die Gegend. Ohja! Immerhin war der Weg dorthin mit monatelanger harter Arbeit, starker Konkurrenz und kritischer Jury verknüpft.

(c) Ebilcat

(c) Ebilcat

Und ich habe sogleich das Countdown-Widget von WordPress für mich entdeckt. Das erhebt die Veröffentlichung irgendwie in den Rang einer weltbewegenden Sensationsmeldung, nicht wahr? Ich freue mich riesig!

Eure E.

Advertisements

Das Schneeflockensystem (Randy Ingermanson)

Obwohl der Tag noch nicht zu Ende ist, kann ich bereits behaupten, dass es ein guter Tag war. Bei mehr oder weniger sinnlosem Surfen stieß ich heute auf die Schneeflocken-Methode, die das Schreiben  eines Romans vereinfachen soll.

Warum nicht? Im Moment habe ich noch kaum Zeitdruck, also werde ich es einfach mal ausprobieren.

So geht’s los:

______________________________________________

Schritt 1: Ein-Satz-Zusammenfassung des Romans

was
– ganzer Roman in einem Satz
– wie: »Ein gewitzter Physiker reist in der Zeit zurück um Apostel Paulus zu töten«

wie
– eine Stunde Zeit
– kürzer ist besser (15 Wörter oder weniger)
– keine Charakternamen (»ein blinder Trapezkünstler« statt »Anna Müller«)
– das große Ganze und die persönliche Ebene der Geschichte verbinden (Welcher Charakter hat am meisten zu verlieren? → schreiben, was er gewinnen möchte)
– einzeilige Klappentexte in der New York Times als gute Herangehensweise

wozu
– dient stets als 10-Sekunden-Verkaufswerkzeug
– Übersicht, das Analogon zu dem großen Dreieck in der Schneeflockenstruktur
– im späteren Exposé ziemlich am Anfang zu verwenden
– Aufhänger, der das Buch an den Editor etc. verkaufen wird

Schritt 2: Satz zu vollständigem Absatz ergänzen

was
– Satz zu einem vollständigen Absatz erweitern
– Aufbau der Geschichte beschreiben, die größten Katastrophen und das Ende der Geschichte
– Analogon zum zweiten Stadium der Schneeflocke

wie
– eine Stunde Zeit
– »drei Katastrophen und ein Ende« (jede der Katastrophen braucht ein Viertel des Buches, um sich zu entwickeln, das Ende nimmt das letzte Viertel ein)
– fünf Sätze (ein Satz, um den Hintergrund und den Aufbau der Geschichte zu erläutern, je ein Satz für jede der drei Katastrophen, dann ein weiterer Satz, um das Ende zu erzählen)

wozu
– z. B. Klappentext
– auch in Exposé verwendbar
– Drei-Akte-Struktur: erste Katastrophe ist Ende des Akts 1, zweite Katastrophe ist die Mitte von Akt 2, dritte Katastrophe entspricht dem Ende von Akt 2 und erzwingt Akt 3, der alles noch einmal verdaut

______________________________________________

Hat das was gebracht?

Also die ersten beiden Schritte konnte ich heute bereits als Erfolge verbuchen. Allerdings habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht eine Stunde pro Schritt gebraucht habe. Klingt das unlogisch?

Das Schwierigste an den Absätzen waren die »drei Katastrophen«. Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob das, was die tragischen Höhepunkte meines So-lala-Entwurfs sind, wirklich Katastrophen darstellen. Einerseits weiß ich demnach nicht, ob die Geschichte in meinem Kopf zu diesem Schema passt. Andererseits muss ich mich ja auch nicht an dieses System klammern, oder?

So ganz zufrieden bin ich jedenfalls noch nicht, muss ich zugeben. Aber ich glaube, es würde sich in jedem Fall lohnen, die ersten sechs oder sieben Übungen durchzuackern. Was soll schon großartig schiefgehen? Und ich werde fleißig über Meilensteine und Misserfolge bloggen.

Nur… wollte ich nicht zuerst an meinem Kinderbuch arbeiten…? Was soll’s. So lange ich zwei verschiedene Notizbücher habe, komme ich sicher nicht durcheinander. Und wenn doch, werde ich dich, lieber Leser, anschließend davor warnen, es mir gleich zu tun.

Das Ding mit den Guillemets

Schon gewusst? Diese Piepsis  hier: »…« bzw. ›…‹ verwendet man in der Schweiz so: «…» bzw. ‹…›

Muss das Lektorat die Dinger dann alle rot anstreichen, oder verkraften die Schweizer das?

Weil ich die Beispielsätze bei Wikipedia so nett finde, poste ich das mal:

●   Andrea fragte mich: „Hast du Grass’ ‚Blechtrommel‘ gelesen?“
     (in Deutschland und Österreich, deutsch)
   Andrea fragte mich: »Hast du Grass’ ›Blechtrommel‹ gelesen?«
     (Guillemets in Deutschland und Österreich)
   Andrea fragte mich: «Hast du Grass’ ‹Blechtrommel› gelesen?»
     (Guillemets in der Schweiz, ohne Abstände)
   Andrea me demanda : « As-tu lu ‹ Le Tambour › de Grass ? »
     (Guillemets in Frankreich, mit Abständen)
   Andrea fragte mich: „Hast du Grass‘ ‚Blechtrommel‘ gelesen?“
     (Schreibmaschinensatz)

Der beste Freund der Autoren

Zum Frühstück gab es heute einen interessanten Artikel:

Lies mal

Kann man sich darauf verlassen, dass ein solcher Korrekturleser den Geist des eigenen Romans voll und ganz nachvollziehen kann? Vielleicht müsste man mehrere solche Helfer aufsuchen. Hat irgendjemand Erfahrungen damit?

Diese Fragen habe ich mir auch schon mal gestellt, nämlich als ich überlegte, ~hier~ zu studieren. Verliert man sich nicht selbst, wenn man beim Schreiben nur versucht, es anderen recht zu machen? Was grenzt dann die Schreibwerkstatt noch von anderen Lebensbereichen ab?

Letztendlich studiere ich jetzt Germanistik und habe durch die intensive Auseinandersetzung mit anderen Autoren auch eine Menge über mich selbst gelernt. Das Schreiben von Hausarbeiten lässt einem natürlich kaum Spielraum. Aber wenn ich mir meine Notizen der letzten Semester anschaue, stelle ich fest, dass ich doch ganz schön viel denke. Und das motiviert!