Mit den Gedanken um die Wette (Das Schneeflockensystem III)

So. Nach 1 ½ Monaten ein Fazit.

Fazit? Jetzt erst? Jetzt schon?

Naja. Positiv wird dieser Post nicht. Wer also Rückschläge nicht verkraftet, sollte jetzt nicht weiter lesen. (Dann sollte ich das auch nicht, oder?)

Was habe ich geschafft? Ich habe 5 verschiedene Tabellen zu 3 verschiedenen Büchern. Keine davon ist fertig. Meine Bachelorarbeit wirft mit Fachliteratur nach mir und mit meinem letzten Uni-Projekt gerate ich in diesem Moment in Verzug. Um mal über Ecken zu denken, wollte ich ein paar meiner Gedichte zu Lyrikwettbewerben schicken, habe aber schon bei der ersten Einsendung gekniffen. Mein Masterstudienplatz wartet unterdessen auf meine Bewerbung und Hund und Haushalt fühlen sich vernachlässigt.

Juhu!? Ich laufe mit meinen Gedanken um die Wette. Ich möchte alles gleichzeitig – neu ist das nicht, aber langsam bin ich wirklich überfordert. Ich nehme mir für die nächsten Tage eine einzige Sache vor, doch dann fällt mir nur zu allen anderen etwas ein.

Morgen werde ich meinem Rücken zuliebe mal wieder beim Yoga erscheinen. Vielleicht lösen gelöste Gelenke auch verkrampfte Hirnwindungen! Dann melde ich mich wieder.

Nur Mut! Und danke, dass ihr mir zuhört!

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Die verlockende Tabelle (Das Schneeflockensystem II)

Böse, böse, böse.

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, mich zu offenbaren.

*Trommelwirbel*

Ich bin… eine… Listenschreiberin.

Eine fanatische Listenschreiberin! Das bin ich bereits, seit ich denken kann (seit meinem ersten Pokémon-Spiel?), aber dank Rory Gilmore

(c) Warner Bros. / Amy Sherman-Palladino

(c) Warner Bros. / Amy Sherman-Palladino

hat es sich zu einem regelrechten Zwang entwickelt. (Wenn die das macht, ist es doch okay!?) Wie das ständige Nagelkauen, von dem ich nicht wegkomme.

Ich lese also das Schneeflockensystem weiter, Schritt 3, Schritt 4, Schritt… TABELLE! Glanz in meinen Augen, pulsierende Blutströme in all meinen Gliedmaßen.

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Schritt 8: Szenentabelle

was
– durch einzelne Schritte traumatischen ersten Entwurf einfacher machen
– Tabelle aus vierseitiger Plotübersicht mit einzelnen Szenen

wie
– vierseitige Übersicht aus Schritt 6 nehmen und Liste aller Szenen machen, um die Geschichte in einen Roman zu verwandeln (z. B. durch Tabelle)
– eine Zeile für jede Szene
– erste Spalte, um den einzelnen Szenen eine bezeichnende Überschrift zu geben
– in nächster Spalte, aus wessen Sichtweise die Szene geschrieben ist
– in einer weiteren (breiten) Spalte in ein paar Sätzen, was in der Szene passiert
– auch noch weitere Spalten möglich, z. B. die ungefähre Seitenanzahl der Szene oder wo sie spielt
– ca. 100 Zeilen lang, eine Zeile für jede Szene im Roman
– zuletzt eine neue Spalte mit Kapitelnummern hinzufügen und jede Szene einem Kapitel zuordnen

wozu
– eine Tabelle ist ideal, weil die Geschichte als Ganzes auf einen Blick betrachtet werden kann
– Szenen können noch herum geschoben werden, um Abläufe neu zu ordnen
– Geschichte entwickeln und dabei immer wieder neue Versionen der Tabelle erstellen (wertvoll, um die Geschichte zu analysieren)

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Doch es ist Schritt 8! Ich darf noch keinen Schritt 8 machen, wenn ich diese Methode auch nur annähernd durchziehen will! Ohje. Schuldgefühle, rissige Lippen, Schweißperlen auf der Stirn.

Muss. Liste. Machen.

Natürlich habe ich es trotz aller selbst auferlegten Verbote nicht lassen können und eine Tabelle angefertigt. Sie ist lange noch nicht fertig, ist ja auch kein Wunder, da mir die Inhalte der vorigen Schritte fehlen.

Allerdings hat es tatsächlich großen Spaß gemacht! Und es zeigt Wirkung, da ich herausfinden konnte, wo es hapert und was ich mir dringend zu Herzen nehmen muss.

Also selbst wenn du, lieber Leser, dem Schneeflockensystem allgemein nichts abgewinnen kannst, versuch es mal mit einer Szenentabelle! Und mach ruhig zuerst eine Kapitel-Tabelle, das ist eine gute Übersicht!

Das Schneeflockensystem (Randy Ingermanson)

Obwohl der Tag noch nicht zu Ende ist, kann ich bereits behaupten, dass es ein guter Tag war. Bei mehr oder weniger sinnlosem Surfen stieß ich heute auf die Schneeflocken-Methode, die das Schreiben  eines Romans vereinfachen soll.

Warum nicht? Im Moment habe ich noch kaum Zeitdruck, also werde ich es einfach mal ausprobieren.

So geht’s los:

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Schritt 1: Ein-Satz-Zusammenfassung des Romans

was
– ganzer Roman in einem Satz
– wie: »Ein gewitzter Physiker reist in der Zeit zurück um Apostel Paulus zu töten«

wie
– eine Stunde Zeit
– kürzer ist besser (15 Wörter oder weniger)
– keine Charakternamen (»ein blinder Trapezkünstler« statt »Anna Müller«)
– das große Ganze und die persönliche Ebene der Geschichte verbinden (Welcher Charakter hat am meisten zu verlieren? → schreiben, was er gewinnen möchte)
– einzeilige Klappentexte in der New York Times als gute Herangehensweise

wozu
– dient stets als 10-Sekunden-Verkaufswerkzeug
– Übersicht, das Analogon zu dem großen Dreieck in der Schneeflockenstruktur
– im späteren Exposé ziemlich am Anfang zu verwenden
– Aufhänger, der das Buch an den Editor etc. verkaufen wird

Schritt 2: Satz zu vollständigem Absatz ergänzen

was
– Satz zu einem vollständigen Absatz erweitern
– Aufbau der Geschichte beschreiben, die größten Katastrophen und das Ende der Geschichte
– Analogon zum zweiten Stadium der Schneeflocke

wie
– eine Stunde Zeit
– »drei Katastrophen und ein Ende« (jede der Katastrophen braucht ein Viertel des Buches, um sich zu entwickeln, das Ende nimmt das letzte Viertel ein)
– fünf Sätze (ein Satz, um den Hintergrund und den Aufbau der Geschichte zu erläutern, je ein Satz für jede der drei Katastrophen, dann ein weiterer Satz, um das Ende zu erzählen)

wozu
– z. B. Klappentext
– auch in Exposé verwendbar
– Drei-Akte-Struktur: erste Katastrophe ist Ende des Akts 1, zweite Katastrophe ist die Mitte von Akt 2, dritte Katastrophe entspricht dem Ende von Akt 2 und erzwingt Akt 3, der alles noch einmal verdaut

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Hat das was gebracht?

Also die ersten beiden Schritte konnte ich heute bereits als Erfolge verbuchen. Allerdings habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht eine Stunde pro Schritt gebraucht habe. Klingt das unlogisch?

Das Schwierigste an den Absätzen waren die »drei Katastrophen«. Ich habe ehrlich keine Ahnung, ob das, was die tragischen Höhepunkte meines So-lala-Entwurfs sind, wirklich Katastrophen darstellen. Einerseits weiß ich demnach nicht, ob die Geschichte in meinem Kopf zu diesem Schema passt. Andererseits muss ich mich ja auch nicht an dieses System klammern, oder?

So ganz zufrieden bin ich jedenfalls noch nicht, muss ich zugeben. Aber ich glaube, es würde sich in jedem Fall lohnen, die ersten sechs oder sieben Übungen durchzuackern. Was soll schon großartig schiefgehen? Und ich werde fleißig über Meilensteine und Misserfolge bloggen.

Nur… wollte ich nicht zuerst an meinem Kinderbuch arbeiten…? Was soll’s. So lange ich zwei verschiedene Notizbücher habe, komme ich sicher nicht durcheinander. Und wenn doch, werde ich dich, lieber Leser, anschließend davor warnen, es mir gleich zu tun.