„Ordnung ist das halbe Leben“…

… Hab ich noch nie kapiert. Aber ich bin ja für alles offen.

Die Semesterferien begannen mit den üblichen Vorsätzen: Sortieren, einheften, wegräumen. Doch (endlich!) nach Abgabe meiner Bachelorarbeit war ich zu nicht viel mehr im Stande, als auf der Couch herumzulümmeln. Was auch sonst.

Erst als ich wieder begann, über das anschließende Semester zu grübeln, konnte ich mich allmählich aufraffen. Tatsächlich erhielt ich von meinen favorisierten Unis Zulassungsbescheide für Masterstudienplätze und das hat mir gewissermaßen einen kleinen Schubs gegeben. Bin ich doch besser als ich denke? Herrje, solche Stimmungsschwankungen können sehr an einem nagen.

Und so kam es, dass ich auf der Suche nach einem leeren Hefter für die Studienunterlagen auf eines meiner alten Tagebücher stieß, ein Geburtstagsgeschenk längst verdrängter Zeiten. Es ist wirklich ein unfassbar hübsches Tagebuch, mit zauberhaft verzierten Seiten und einem rosa Lesebändchen. Solche Büchlein verlangen regelrecht, etwas Einzigartiges in sie hineinzuschreiben, nicht wahr? Deswegen fällt es mir schon seit meiner Kindheit schwer, die Seiten schöner Blanko-Bücher mit vermeintlichem Blödsinn zu füllen. Sieben Einträge sind bereits enthalten, von 2007 und von 2010. Und so blödsinnig sind sie gar nicht. Irgendwie niedlich. Inklusive einem von zwei Liebesbriefen, die einzigen beiden, die ich je bekommen habe, natürlich nicht von den jeweils „Richtigen“.

Ich schweife ab, wo war ich? Ahja.

Nun stand ich neben meinem verkramten Schreibtisch mit diesem verführerischen Buch in der Hand, dessen Perfektion in seinem nicht weniger entzückenden Schutzkarton Vollendung findet. Prompt sah ich, wie sich ein verschwommenes Bild meiner Mutter über den durcheinandergewirbelten Romannotizen auf dem Tisch aufbäumte und kopfschüttelnd jammerte: „So kann man doch nicht arbeiten!“ Eigentlich hatte ich immer prima so arbeiten können. Hatte ich mal etwas abgeheftet, fand ich es generell nie wieder. Doch jetzt, mit dem Buch und dem Karton in der Hand, dazu mit den perfekt gefalteten oder gleich auf A5-Blätter gekritzelten Notizen im Blickfeld…

… Mit vor Stolz geschwellter Brust kann ich verkünden, dass ich nun ein überaus motivierendes neues Schreibkonzept habe. Allein das Gefühl, wenn meine Hand an der Klappe des Kästchens entlanggleitet, hinter der sich all meine Ideen verbergen, hat etwas so Besonderes an sich, dass ich es zwangsläufig öffnen und meine Gedanken sprudeln lassen muss.

Kitschig! Oh ja! Aber ich bin eben ein Mädchen. Von einer herzlichen Umarmung bin ich zwar noch weit entfernt, doch Motivation und Inspiration schüttelten sich immerhin kräftig die Hände. Und das ist mehr, als ich seit langer, langer Zeit erwarten konnte.

Die letzten Wochen laufen so eigentlich bis heute sehr geregelt ab. Tagsüber zermartere ich mir meinen Kopf, kaue auf meinen Stiften, verschlinge Unmengen Kaffee und Süßigkeiten und mache nur Pause, wenn mein Hund der Meinung ist, das Tagebuch oder der Laptop wären seine Kopfkissen (gerne auch beides gleichzeitig, in diesem Fall übernimmt sein wuscheliger Schwanz die fürsorgliche Aufgabe eines Scheibenwischers). Am Ende des Tages habe ich ein paar Bilder im Kopf. Und diese Bilder nehmen dann just in dem Moment Szenengestalt an, in dem ich mich todmüde unter die Bettdecke kuschele. Doch ich habe vorgesorgt. Ohne Stift und Papier neben mir lege ich mich gar nicht erst hin und den Weg meiner Hand zur Nachttischlampe beherrsche ich mittlerweile blind, mit links und mit einem brillant artistischen Beinschwung.

So könnte es ewig weiter gehen!

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